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Ein Familienrat voller Überraschungen

Als wir als Missionare aus Nepal nach Deutschland zurückkehrten, entschlossen wir uns zunächst einmal fernsehfrei zu leben. Wir fühlten uns überrannt von den Medien, der Werbung und wollten uns hier zunächst etwas schützen. 

Vor einigen Wochen, 7 Jahre später, stellte ich als Mutter den Antrag an meine Familie: Wolfgang, meinen Mann; Kristine 16, Katharina 14, und Johannes, 12,  nun doch ein eben solches Teil anzuschaffen. Ich hatte den Eindruck, politisch so ziemlich hinter dem Mond zu leben, las ich im Gegensatz zu meinem Mann nicht regelmäßig eine Wochenzeitung oder Internetnachrichten. Ab und zu eine politische Sendung und täglich die Tagesschau sehen könnte doch eine Lösung sein, so dachte ich.

Also brachte ich diesen Antrag in unseren Familienrat ein, der sich bei uns je nach Bedarf trifft. Nachdem jeder zunächst ungeordnet seine Meinung gesagt hatte, wurde deutlich, dass es so schnell keine Einigung geben würde. Also gingen wir etwas strukturierter vor. Ich stellte 2 Stühle in die Mitte des Wohnzimmers: einen "Ja" und einen "Nein" Stuhl. Jeder von uns setzte sich nacheinander auf beide Stühle und begann sein folgendes Statement mit: "Ja, ich bin für die Anschaffung eines Fernsehers, weil...", bzw. danach auf dem Nein Stuhl: " Ich bin gegen die Anschaffung eines Fernsehers, weil..."

Diese Übung verhalf jedem von uns sich zunächst einmal von der eigenen, "einzig richtigen" Meinung  zu lösen und diese Frage offen auf sich wirken zu lassen. Ja, was sprach denn tatsächlich aus der eigenen Sicht für einen Fernseher und was dagegen?

Es wurde dadurch bald deutlich: Obwohl die Mädchen durchaus Vorteile sahen, überwiegten bei ihnen bei weitem die Nachteile eines Fernsehens. Sie sagten, und ich fasse zusammen: "Wir mögen es, dass ihr so viel Zeit für uns habt. Wir haben einfach die Befürchtung, dass sich das ändert, wenn ein Fernseher da ist, und euch und uns alle möglichen Sendungen interessieren. Unsere Freunde hängen zum Teil stundenlang vor dem Fernseher. Wir vermissen das Fernsehen überhaupt nicht. Es ist viel schöner, ab und zu ein Video zu sehen. Die Fernsehnachrichten kannst du doch auch im Internet  ansehen (was mir neu war, tatsächlich aber stimmt)."

Auch Wolfgang konnte zwar auf dem "Ja" Stuhl viele Argumente nennen, doch richtig engagiert argumentierte er auf dem "Nein Stuhl". Ein gutes Maß zu finden, würde er total schwer finden. Es ginge ja gar nicht um die schlechten Sendungen. Da wäre er weniger in Gefahr sie sich anzusehen, wohl aber die vielen interessanten Sendungen zu Politik, Sport  und Wirtschaft. Aber: Das Gute ist des Besten Feind! Neben Beruf und Gemeindeengagement ist die freie Zeit halt begrenzt.

Auch Johannes, von dem ich schon ahnte, dass er meinen Antrag begeistert unterstützen würde, meinte zwar auf dem "Ja Stuhl", dann könne er in der Schule mitreden, wenn über die aktuellen Sendungen diskutiert werden würde. Aber auf dem "Nein Stuhl" gab er doch zu Bedenken, dass er,  um endlich Fernsehen zu können, die Hausaufgaben dann wohl einfach nur flüchtig und schnell erledigen würde."

Kurzum, mein Antrag wurde abgelehnt: Vier Nein Stimmen und eine Enthaltung von Johannes. Ja, ich habe dann doch auch gegen meinen eigenen Antrag gestimmt. Ich denke, es hat zwar bestimmt auch einen Wert, den Kindern einen guten Umgang mit dem Fernsehen vorzuleben, und ich hätte tatsächlich gerne ab und zu die Nachrichten gesehen, aber... die Argumente meiner Truppe für einen fernsehfreien Haushalt haben mich dann doch überzeugt.

Birgit Schilling





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