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Nach der Pubertät - Gemeinde ade?

Vor einigen Monaten fragten wir als Familienarbeitskreis der Gemeinde nach Themenwünsche für unsere Treffen. Der am meisten geäußerte Wunsch war: "Warum verlassen so viele Teenager - insbesondere Jungen - nach der Pubertät die Gemeinde?" 

Bei einem unserer regelmäßigen Familienrunden zu Hause sprach ich dieses Problem an und unser zweitältester Sohn Samuel erklärte sich spontan bereit, mich bei diesem Seminar zu unterstützen. Ich freute mich riesig dieses Thema nicht nur aus der Sicht der Eltern aufgreifen zu müssen, sondern einen Teenager selbst zu Wort kommen zu lassen. So erarbeiteten wir zwei zusammen diesen Vortrag für die Gemeinde. Sie können sich denken, dass sich dabei unsere Beziehung zu einander noch mehr vertiefte. Und natürlich kam der Vortrag dann sehr gut an, weil es immer sehr authentisch wirkt, wenn Vater und Sohn gemeinsam über ein geistliches Thema sprechen. Einige Gedanken unseres Referates möchte ich hier aufführen.

Uns beiden war klar: Wenn wir Jungen das Gemeindeleben auf Dauer schmackhaft machen wollen, müssen wir sie in ihrer speziellen Art erreichen und begeistern. Das heißt, Eltern und Mitarbeiter müssen sich damit auseinander setzen, was jungenspezifisch ist. Begegnen wir Jungen und Mädchen in der Gemeinde immer gleich und bieten wir für beide stets das selbe Angebot, laufen wir Gefahr einen von beiden zu verlieren.

In den Vorgesprächen bestätigte Samuel aus seiner Erfahrung immer wieder, was die Fachliteratur zu dem Thema sagt:

Jungen orientieren sich unter anderem an:

- der Anerkennung ihrer Talente,

- daran wie beliebt sie sind,

- an hierarchischen Ordnungen und

- am Wettbewerb

Was heißt das für die Eltern und Gemeindemitarbeiter, die die 14 - 17-jährigen bei der Stange halten wollen ?

Jungen sind am besten über Herzensbeziehungen zu halten

Samuel:

Für mich war es in dem Alter total wichtig zu merken, dass ich geliebt werde - nicht für das, was ich tue, sondern einfach, weil ich da bin. Obwohl meine Teenieleiter immer wieder sagten, was sie von Dingen wie Rauchen, Sex und Ballerspielen hielten, durfte ich bei ihnen so sein, wie ich war - mit allen Macken und Fehlern.

Meinen Eltern und diesen Leitern schien es wichtig, Zeit mit mir zu verbringen und mich zu unterstützen.

Jungen brauchen Männer, die sie lieben - Väter und Leiter

Samuel:

Meine Eltern haben immer wieder mal etwas Besonderes mit mir gemacht. Zum Beispiel sind sie mit mir zur Pizzeria gefahren - auch wenn zu Hause nicht alles rund lief.

Oft konnte ich noch nach dem Teeniekreis bei meinen Leitern zu Hause abhängen, mit ihnen quatschen und so an ihrem Leben teilhaben. In einer Zeit, in der es für alle Beteiligten bei uns zu Hause recht schwierig war, durfte ich sogar eine Woche bei ihnen wohnen. Ich erinnere mich auch genau, dass ich es als erster erfuhr, als meine Teenieleiterin schwanger wurde. Das fand ich echt Klasse, irgendwie war das ein Privileg, das die Beziehung sehr stärkte.

Der Vater:

Ich muss ganz ehrlich eingestehen, dass uns die Teenagerjahre mit unserem lieben Samuel manchmal alles gekostet haben (in jeder Form). Was uns bei der Stange hielt, war die Entscheidung: Wir wollen die Beziehung nie abreißen lassen! Immer wieder führten wir Gespräche mit seinem Teenagerleiter und baten ihn um Unterstützung. "Habt ihn lieb!" - war unser ständiger Gedanke und unser Gebet: "Habt ihn lieb!"

Samuel zu der Zeit in die Gemeinde zu zwingen, wäre sicher falsch gewesen. Wir mussten ihn auf der Beziehungsebene gewinnen und halten. Wir mussten die Nebenkampfplätze, zum Beispiel, was Kleidung, Pünktlichkeit, Gehorsam oder schulische Leistungen betraf, für eine Zeit ganz dem wichtigeren "Kampffeld" unterordnen, nämlich: Die Herzensbeziehung nicht zu verlieren!

Jungen lieben Ehrlichkeit und Offenheit

Samuel:

Einseitige Beziehungen kamen mir als Teenie schrecklich vor, ich meine, wenn ich merkte, dass die anderen immer nur etwas von mir hören wollten, ohne etwas von sich selber preisgeben zu wollen. Eigentlich hatte ich immer den Wunsch über meine Herzensdinge zu reden (und ich meine, das wollen viele Teenies), aber wenn das wie eine Einbahnstraße ist, klappt es nicht.

Der Vater:

Schon lange vor der Teenagerzeit war Hedwig und mir bewusst, dass es Gottes Wunsch ist, dass wir aufrichtig miteinander umgehen.  Über die vielen Jahre des Zusammenlebens mit unseren Kindern bemühten wir uns, sie immer wieder angemessen auch an dem teilhaben zu lassen, was uns bewegt:  Freude, Hoffnungen, Visionen aber auch Grenzen, Enttäuschungen, Verletzungen und Schmerzen.  Wir haben immer den Raum gegeben, auch füreinander zu beten und einander zu segnen. Es ist  wichtig, dass Eltern und Mitarbeiter Kinder in ihr eigenes Leben hineinblicken lassen, von ihren Fehlern und Lernschritten erzählen.

Jungen lieben Herausforderungen  

Samuel:

Mein Teenieleiter war mein großes Vorbild. Er war ein verrückter Kopf, der offen für ungewöhnliche Ideen war und bei dem man manchmal den Eindruck hatte, dass nicht nur wir uns ausprobieren müssen. Es war super, dass er uns in aller Verrücktheit ernst nahm und trotzdem den Boden nicht verlor. Er blieb uns gegenüber geradlinig und zeigte uns Grenzen auf, auch in geistlicher Hinsicht.

Der Vater:

Kurz vor der schwierigen Phase mit Samuel in unserer Familie hatte ich Gelegenheit, die Welt der "Promise Keepers" in den USA zu entdecken.  Damals überlegte ich nicht lange und lud zwei meiner Söhne ein mitzukommen. In New York saßen wir - Papa mit zwei Teenie-Söhnen -  zwischen ca. 35.000 Männern und beteten Gott an. Eine unbeschreibliche Atmosphäre der Gegenwart Gottes erfüllte die Halle. Auch wenn der Alltag natürlich entscheidend ist, wurde unsere Beziehung dadurch sicherlich gestärkt und der Wunsch in Samuel geweckt, mit so einem Gott gemeinsame Sache zu machen. Die Jungen haben den Flug übrigens aus eigener Tasche bezahlt, so viel war ihnen die Reise wert.

Jungen wollen ihren Weg gehen  

Samuel:

Dann kam auch ein Punkt, ab dem ich keine Lust mehr hatte mich nur "berieseln" zu lassen. Ich wollte mich ausprobieren und Dinge in die Hand nehmen. Und das wurde mir sowohl von meinen Teenieleitern als auch von meinen Eltern zugestanden! Zum Beispiel konnte ich gemeinsame Übernachtungen von uns Teenies im Gemeindehaus organisieren. Und wenn etwas schief lief, war es nicht so schlimm. Ich spürte, dass mir Verantwortung übertragen und Vertrauen entgegen gebracht wurde.

Durch die unbekümmerten Gespräche mit verschiedenen Leuten (auch mit meinen Eltern) bekam ich immer mehr Einblick in die geistliche Welt und hatte so auch die Chance mich entwickeln zu können.

Aber was mich in dem Alter zwischen 13 bis 16 Jahren in der Gemeinde am meisten gehalten hatte, waren ganz bestimmt die aufrichtigen Beziehungen zu den anderen.

Abschließende Gedanken

Ich wünsche mir so sehr, dass alle Teenies in den Gemeinden und Familien die Liebe und das Verständnis erhalten, das sie in dieser wichtigen Lebensphase so sehr benötigen.  Bauen Sie gemeinsam mit den Verantwortlichen Ihrer Gemeinde an einem Umfeld, in dem sich alle wohl fühlen können. Wo sind die Abenteurer, die dabei ein besonderes Herz für die Jungen haben? Die Chancen sind sehr groß, dass auch unsere Jungen sich dann für ein bedingungsloses Leben an der Seite unseres lebendigen Gottes entscheiden. Vielleicht nicht immer so wie es Ihnen gefällt, aber darauf kommt es auch nicht immer an.

Eine Garantie gibt es aber nicht! Jeder Junge trifft seine eigene Entscheidung, wie er leben will. Beim Lesen ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass wir damals eine außerordentlich spannende (spannungsreiche) Zeit mit Samuel durchleben mussten. Auch dem Jugendleiter, der es verstand mit den Teenagern in dieser Krisenzeit klug umzugehen und uns Eltern zu unterstützen, haben wir es zu verdanken, dass wir heute eine warmherzige Beziehung haben, gemeinsame Dienste entwickeln und die Liebe Gottes das Leben unseres Jungen bestimmt. Gott sei Dank! Samuel ist heute Mitarbeiter im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Bis Oktober war er das in unserer Gemeinde und hat im Augenblick seine Aufgabe bei Kings Kids gefunden. (www.kingskids.de)

Christof und Samuel Matthias

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