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Unwissenheit und Unfähigkeit - eine verhängnisvolle Kombination!
Es sind jetzt mehr als zwanzig Jahre, dass Eberhard und ich in der Öffentlichkeit stehen, Bücher und Artikel zu Familienthemen schreiben und Seminare halten. Wir haben unzählige Beratungsgespräche geführt, Briefe beantwortet und Telefonate geführt.
Wir haben mit anderen Familien gelacht, geweint und viel gebetet. Doch manchmal frage ich mich: "Warum fällt es trotz aller Hilfestellungen so vielen Eltern schwer, die guten biblischen Prinzipien zum Familienleben umzusetzen? Warum gelingt es nicht noch mehr Familien, mit Begeisterung, voller Enthusiasmus und mit Freude Familie zu leben? So häufig finde ich diese Familien nämlich nicht unter den Christen - dabei berufen doch gerade wir Christen uns auf die Kraft Gottes in unserem Leben!
Ich bin beim Nachdenken auf zwei Gründe gekommen:
Ein weiterer Grund:
Diese Unwissenheit und Unfähigkeit ist eine verhängnisvolle Kombination!
Unwissenheit und seine Folgen
Zum Glück kann man den ersten Punkt - die Unwissenheit - leichter in Angriff nehmen als seelische Verletzungen und Persönlichkeitsschwächen.
Wenn ich die Beratungsgespräche der letzten Jahre Revue passieren lasse, so sind es letztlich immer wieder die gleichen Fragen, die mir gestellt werden, zum Beispiel: Was tue ich bei Babyneid? Bei Eifersucht unter Geschwistern? Mein Kind will nicht schlafen! Mein Kind will nicht gehorchen. Mein Kind hat Wutanfälle. Sollten Kinder im Haushalt mithelfen? Aufräumen ab welchem Alter? Wann und wie soll ich Grenzen setzen und und und...
Es sind immer wieder die gleichen Fragen, die Eltern beschäftigen. Kindern fällt von Generation zu Generation auch nicht so viel Neues ein, wie sie ihren Eltern das Leben schwer machen können. Darüber kann man sich nun wirklich im Voraus informieren.
Neulich sprach mich eine junge Mutter nach einem Seminar an. Sie war total aufgelöst und kämpfte mit den Tränen. Zwei kleine Kinder hatte sie, ein Baby und einen zwei Jahre
alten Jungen. "Ach, Claudia", sprudelte es aus ihr, "Ich bin fix und alle. Mein Großer, der bringt mich jeden Tag bis ans Ende meiner Kräfte. Ich weiß nicht mehr ein noch aus." Ich fragte sie: "Sag mal, was tust du denn dann eigentlich?" "Ja, ich bete, und der ganze Hauskreis betet seit Wochen für mich. Alle beten sie für mich. Aber es ändert sich nichts." Das wollte ich eigentlich nicht hören. Ich wollte wissen, wie sie mit ihrem Jungen umgeht. Nun gut, ich ließ sie erst einmal ausreden, und fragte schließlich: "Sag mal, wie ist der Umgang mit Klein-Johannes? Was erwartest du von ihm?" Und dann hörte ich heraus, dass sie ihren zweijährigen Jungen tagtäglich überforderte. Er musste alleine spielen, sein Zimmer aufräumen, immer brav mit seiner kleinen Schwester teilen, ordentlich essen, im Gottesdienst stillsitzen... Kein Wunder, dass dieser lebhafte Junge seinen Frust jeden Tag unwillig herausschrie und seiner hilflosen Mutter einen Machtkampf nach dem anderen lieferte. Aber ein Buch zur Kleinkinderziehung hatte sie noch nicht gelesen.
Oder ein anderes Beispiel: Eine unserer erwachsenen Töchter, ich fühlte mich ein bisschen geehrt, fragte mich zur Trotzphase ihrer kleinen Tochter. Sie wollte einfach wissen, ob sie es so richtig macht. Gut, ich hab ihr so einige Dinge gesagt und merkte dabei, dass ich eigentlich aus unserem Familien-Handbuch zitierte, so dass ich mir nicht verkneifen konnte zu sagen: "Mein liebes Mädchen, schlag doch mal das Handbuch auf unter dem Stichwort "Trotz", da findest du gute Antworten."
Unwissenheit bringt so viel Stress in den Familienalltag, führt zu Machtkämpfen und verletzt unsere Kinder. Dabei lässt sich gerade hier sehr gut vorbeugen: Es gibt Seminare, Vortrags-CDs, Bücher - von uns und von anderen Autoren. Die Fehler anderer Eltern müssen Sie aus Unwissenheit nicht unbedingt wiederholen.
Unfähigkeit und seine Folgen
Aber ich hatte ja zwei Gründe genannt. Einmal die Unwissenheit von Eltern und die daraus resultierende Unsicherheit und als Zweites eine Unfähigkeit gute Vorsätze zu verwirklichen durch eigene seelische Verletzungen und Persönlichkeitsschwächen.
Nie wollten Sie Ihre Kinder anschreien, so wie es Ihr Vater oder Ihre Mutter immer gemacht haben. Nie wollten Sie es mit Gleichgültigkeit oder Liebesentzug strafen. Oder nie wollten Sie es schütteln, zur Strafe unter die kalte Dusche stellen oder schlagen oder was Eltern auch immer tun, wenn ihnen die Nerven durchgehen. Nie! Und jetzt tun Sie es trotzdem.
Immer wieder zeigt sich das gleiche Muster: In Stresssituationen oder bei Überforderungen reagieren Eltern häufig, wie sie es selbst in ihrer Kindheit erfahren haben - es sein denn, sie haben sich bewusst mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt und Verletzungen oder Persönlichkeitsdefizite aufgearbeitet.
Seine eigenen "Macken" kennt man ja oftmals am besten. Ich konnte bzw kann manchmal recht temperamentvoll reagieren. Ich erinnere mich, als Teenager einmal meiner Mutter eine geklebt zu haben und auch Eberhard kam früher nicht immer ungeschoren davon. Als wir dann den quirligen Haufen mit den ersten sechs Kindern hatten, war es mein fester Vorsatz, sie weder anzuschreien noch im Affekt zu schlagen. Das habe ich vor Gott gebracht und ihn um Hilfe angefleht, und das habe ich auch Eberhard gestanden und ihn gebeten, immer dazwischen zu gehen, wenn es doch einmal passieren sollte. Eine Zeit lang habe ich täglich Bilanz gezogen. Ich muss es mit Gottes Hilfe ganz gut in den Griff bekommen haben, denn neulich fragte mich meine älteste Tochter, die jetzt selbst zwei kleine Kinder hat, ganz beiläufig am Telefon: "Sag mal, Mama, hast du uns früher eigentlich oft angeschrien? Ich kann mich an fast nichts erinnern." Ein besseres Kompliment kann man kaum bekommen.
Wie gehen Sie mit Ihren eigenen Persönlichkeitsschwächen und den Verletzungen aus Ihrer Vergangenheit um? Nicht nur Sie leiden, auch Ihre Kinder trifft es schwer!
Nicht mehr bagatellisieren, nicht mehr ignorieren, sondern zulassen und ans Licht und ins Gebet bringen! Ich möchte Sie einfach ermutigen, sich auf den Weg zu machen, zum Frieden mit Ihrer Vergangenheit zu finden.
Kennen Sie diesen Spruch: "Ich komme da einfach nicht drüber hinweg?" Es ist, als wenn etwas Bedrückendes auf Ihrem Leben läge! Stellen Sie sich einmal eine Blumenwiese vor, nehmen wir mal eine Weide voller Margaritten und Kornblumen oder so. Und dann lässt jemand ein Brett darauf fallen. Was passiert an dieser Stelle? Da wächst einfach nichts mehr. Drum herum schon, aber nicht unter diesem Brett. So ähnlich ist es mit seelischen Verletzungen. Da muss jemand kommen und das Brett entfernen. Am Besten ist, diese Last im Gebet zu Jesus zu bringen und um Hilfe und Heilung zu beten. Ich habe im Gebet schon sehr oft Zuspruch und Erleichterung bekommen.
Vielleicht noch ein weiterer Vergleich: Ich habe in der Vergangenheit sehr viel mit Rückenschmerzen zu tun gehabt, natürlich zum Teil durch die Schwangerschaften und die Babyschlepperei. Immer wieder habe ich Gott die Schmerzen gebracht und andere für mich beten lassen! Aber ich habe nur wenig Linderung erfahren. Bis eines Tages ein guter Chiropraktiker meinen Rücken einrenkte und mir streng Rückengymnastik verordnete. Immer wenn ich es mit den Übungen zu locker nahm, renkten sich meine Rückenwirbel wieder aus und die Prozedur begann von vorne: Einrenken und dann disziplinierte Rückengymnastik. Heute geht es mir, was meinen Rücken betrifft, besser als je zuvor.
Das möchte ich aufs Geistliche übertragen: Wenn wir beten, ist Gott oftmals wie ein Chiropraktiker, der unsere verletzte Seele "einrenkt". Und darauf muss dann die "geistliche Gymnastik" folgen, sprich: konsequente Nachfolge, Bibel lesen, regelmäßig beten, vielleicht auch weitere Seelsorge oder eine Therapie! Das übersehen manche und wundern sich, wenn sie trotz Gebet doch nicht so vorankommen, wie sie es sich vorgestellt haben.
Claudia Mühlan
Buchtipp:
Eberhard & Claudia Mühlan,
Das große Familien-Handbuch
Erziehungstipps für alle Entwicklungsphasen Ihres Kindes. 200 Fotos, ein umfassendes Stichwortverzeichnis und hilfreiche Fragebögen machen dieses Buch zu einem umfassenden Nachschlagewerk, das man immer wieder gern in die Hand nimmt.
Gebunden, DIN A5, 280 S., Nr 815434, Sonderpreis € 18,-
Eberhard & Claudia Mühlan,
CD-Album "Eltern stark machen!"
Familie ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon - wie kann man ohne auszubrennen bis zum Ziel fit bleiben?
3 CDs mit Seminarunterlagen zu € 12,- , Best.Nr. CD4700
Zu beziehen bei: Mühlan Mediendienst, Leipziger Straße 233, 38124 Braunschweig, Fon 0531 / 61 07 30, Fax 0531 / 61 19 41, www.muehlan-mediendienst.de