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Besondere Familienabende für Kleine und Große
Es gibt in unserem Haus eine große Muschel, ein Relikt vergangener Urlaubstage. Hält man sie ans Ohr, hört man es rauschen. Es fühlt sich gut an, sie in der Hand zu halten. Darum hat sie bei uns eine besondere Rolle bekommen: In regelmäßigen Abständen wird sie zum "Gesprächsstein" bei unserer kleinen Familienkonferenz!
Der Wohnzimmertisch wird dann hübsch gedeckt. Oft holen die Kinder Kerzen und achten darauf, dass die kleinen Schälchen mit Knabbereien gleichmäßig gefüllt werden. Wir Eltern naschen natürlich gerne mit.
Das jüngste Kind
bekommt die Muschel in die Hand und hat damit Redezeit. Wir anderen hören
gespannt zu. Nun darf es alles benennen, was seiner Meinung nach in unserer
Familie gerade prima läuft. Wir haben beobachtet: Je jünger die Kinder sind,
umso eher verknüpfen sie dabei ihr Empfinden mit besonderen Ereignissen (Besuch
von Oma, das Geburtstagsgeschenk). Nach und nach beginnen sie, auch das Miteinander
in der Familie genauer zu reflektieren. Sie äußern auch Anerkennung und Lob
gegenüber Geschwistern oder Mama und Papa. Das zu hören, tut allen gut! Ist das
erste Kind fertig, erhält der Nachbar die Muschel.
Nach der ersten, positiven Runde hat jeder dann ebenso Gelegenheit einmal das anzusprechen, was vielleicht gerade seiner Meinung den Familienalltag stört und geklärt werden sollte: Da wird angesprochen, was gerade den Familienalltag stört und geklärt werden sollte. Wir waren verblüfft, als sich unser Vierjähriger einmal darüber beklagte, dass wir Großen bei längeren Spaziergängen oft nicht warten würden. Eigentlich wollten wir Eltern gerade unsere Verärgerung darüber äußern, dass unser Sprössling in dieser Zeit oft nicht kam, wenn wir ihn riefen! Uns wurde bewusst, dass auch seine Wahrnehmung stimmte! Unsere Abmachung war, dass wir alle ab sofort besser aufeinander Acht haben.
Auch wenn sich die kleineren Kinder lebendig einbringen und es etwas unruhiger wird, lohnt es, sie schon früh - wenigstens für eine knappe halbe Stunde - mit einzubeziehen. Sie erfahren dabei, dass sie wichtig sind, eine Stimme in der Familie haben und dass man ihre Empfindungen und Gefühle ernst nimmt. Sich zuerst über das Gute Gedanken zu machen, ist eine durchaus anspruchsvolle aber wichtige Herausforderung. Schon im Alter von vier Jahren können sich Kinder nach unserer Erfahrung in der Regel sprachlich verständlich einbringen. Sie bleiben dafür auch einige Zeit bereitwillig auf ihrem Platz sitzen.
Von der guten Tradition der Familienabende profitieren wir Erwachsene auch im Umgang mit den älteren Kindern. Sie sind auch motiviert dabei! Disziplin- und Regelverstöße in ruhiger Atmosphäre zur Sprache zu bringen, gelingt uns so viel leichter. Wir staunen dabei immer wieder über die kreativen Lösungen der Kinder. Übereinkünfte, die wir bei diesen Konferenzen treffen, werden selten gebrochen. Entscheidungen halten wir auf einem Notizblocks fest. Beim nächsten Mal können wir schauen, ob die Lösung geklappt hat.
Wie bei der Muschel horchen wir an solchen Abenden nach Innen. Was bewegt den anderen gerade? Wie geht es im Trubel des Alltags? Fühlt sich jeder wohl an seinem Platz in der Familie? Auch der Rückblick auf das, was wir zusammen geklärt und voneinander verstanden haben, tut gut!
Gudrun Just