H I L D E G A R D    U N D    H A N S    B L A C K E R T

Der lange Weg ins Altsein 

Ein Blick zurück

Wir – meine Frau und ich – sind im „Altsein“ angekommen. Wir sind um die 80 und freuen uns über jeden neuen Tag, den wir gemeinsam erleben und genießen dürfen. Wir sind von Herzen dankbar und können sagen, dass wir an dem Platz sind, den Gott für uns vorgesehen hat. Dahin war es ein Weg, der früh begann.

Das wollen wir nicht!
Unser beider Eltern lebten viele Kilometer von uns entfernt. Mit ihrem Älterwerden wurden unsere Besuche bei ihnen mehr und mehr krankheitsdiktiert zu Hilfe- oder Noteinsätzen. Ein Umzug an unseren Wohnort und das Verlassen ihres Umfeldes – das wollten sie eigentlich, aber sie hatten es immer wieder vor sich hergeschoben. Zunehmende Pflegebedürftigkeit holte sie ein und der angedachte Umzug rückte in immer weitere Ferne. So ergab es sich, dass wir für sie Entscheidungen treffen mussten, die teilweise tief in ihr Leben einschnitten und nicht immer ihre uneingeschränkte Zustimmung fanden. Am Ende stand dann für sie das Pflegeheim mit all den Fragen und Nöten und für uns häufige und aufwendige Besuchsreisen fest.

Durch diese Erfahrung war für meine Frau und mich sehr früh klar: Das wollen wir nicht! Die Verantwortung für unser zukünftiges Leben liegt bei uns. Wir wollen sie nicht unseren Kindern irgendwann einmal ungefragt aufladen.

Wir wollen rechtzeitig Entscheidungen treffen und notwendige Weichen stellen.

Deswegen haben wir uns schon lange vor Ende der Berufszeit die Frage gestellt: Wie und wo wollen wir unser „Altsein“ verbringen? Und – vor allem – welche Schritte müssen wir jetzt dazu machen?

Zwei grundsätzliche Möglichkeiten sahen wir für uns:
➜ Wir verlassen unseren bisherigen Wohnort, wo wir viele Jahre gewohnt haben und ziehen zu den Kindern – nicht unbedingt in eine häusliche Gemeinschaft, aber in ihre räumliche Nähe. Die Notwendigkeit eines Umzuges und die Bereitschaft, uns dem Lebensumfeld der Kinder anzupassen, uns „bei ihnen einzuklinken“, wäre die Folge.

➜ Wir machen uns unabhängig von unseren Kindern. Die Voraussetzung hierfür ist, dass wir klare Vorstellungen haben, wie und wo wir unser Leben in der Phase des „Altseins“ gestalten wollen und wie wir den zu erwartenden Unterstützungs- und Pflegebedarf im Alter gestalten wollen oder können.

Keine dieser Lösungen ist besser oder schlechter oder gar falsch.

Wir wählten die Unabhängigkeit.
Wir haben uns für die zweite Lösung entschieden und uns früh überlegt, wie wir sie eigenverantwortlich umsetzen können. Fragen wie: Wann? Wohin? Kaufen oder mieten? Altersgerecht? Medizinische Betreuung und Versorgung? waren zu beantworten und es war zu überlegen, welche Schritte dazu wann erforderlich sind. Uns war ganz wichtig, rechtzeitig dazu Entscheidungen zu treffen. Aus der Erfahrung in der eigenen Familie, aus der Beobachtung unseres Umfeldes und – vor allem – aus den Zeugnissen vieler älterer Menschen wissen wir, dass solche Schritte u. a. auch mit Ängsten verbunden sind: Was kommt Unbekanntes auf mich zu? Häufig war der Satz zu hören: „Wenn es soweit ist, dann ...“ Dabei gerät das Vorhaben schnell auf die „lange Bank“ und die Entwicklung holt uns ein oder überholt uns gar. Es gibt auch hier ein „zu spät!“ Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden.

Wir machten uns auf die Suche
Wir haben dann mehr oder weniger gezielt nach einem „Plätzchen“ für uns Ausschau gehalten. Da wir nicht auf eine Gegend oder einen Ort fixiert waren, haben wir jede Reise, jeden Besuch genutzt: „Könnte das ein Altersplatz für uns sein?“ Oft waren es Zufallsergebnisse. Wir haben aber unser Anliegen nicht aus den Augen verloren. Unsere Kriterien waren u. a.: angenehme Wohnlage, altersgerechte Bedingungen, gute und breite Versorgbarkeit, kulturelle Möglichkeiten und – für den Fall, dass es erforderlich werden sollte – eine Pflegeeinrichtung in fußläufiger Entfernung.

An den verschiedensten Orten Ausschau halten, Gespräche führen, Möglichkeiten klären, immer wieder auch unsere Vorstellungen hinterfragen – das hat uns über Jahre beschäftigt.

Unser Gebet dabei war stets: „Herr, wohin willst du uns haben? Welchen Platz hältst du für uns bereit?“

Das war spannend!
Heute zurückschauend können wir sagen, dass Gott uns und unser Gebet ernst genommen hat. Vieles, was uns geeignet oder verlockend erschien, hat sich zerschlagen. Letztlich wurde das, was wir überhaupt nicht auf dem Schirm hatten, unser heutiges Zuhause. Wir sind „angekommen“, die Kinder „waren aus dem Haus“, die Berufszeit und eine längere Dienstzeit bei TEAM.F waren zu Ende. Mit unserem Umzug war ein neues Kapitel in einem neuen Umfeld aufgeschlagen. Die letzte Phase unseres Lebens liegt vor uns. Nach sieben Jahren in unserem neuen Heim können wir sagen:

Wir sind an dem Platz, den Gott für uns bereitgehalten hat.

Alle – fast alle – Wünsche und Vorstellungen sind erfüllt, auch wenn das eine oder andere nicht „easy“ war.

Wir stehen in unserem Alter jetzt nicht auf einem „Abstellgleis“.

Wir haben ein neues, altengerechtes Umfeld gefunden, konnten neue Initiativen entwickeln. Die Beziehung zu unseren Kindern, mit denen wir alle Gedanken und Entscheidungen besprochen hatten, hat keinen Schaden genommen. Wir besuchen uns und genießen nicht nur unser Zusammensein, sondern auch unseren Abstand. Wir schauen versöhnt zurück und erfahren dabei:

Altsein heißt auch noch weiter zu wachsen! Wir durften „neues Land einnehmen.“

Ihre Hildegard und Hans Blackert, Ettlingen,
Jahre verheiratet, 2 Töchter, Enkelkinder