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                                           D E B O R A    S O M M E R

Mit allen Sinnen auf Empfang

Hochsensibilität als Gottesgeschenk und Auftrag

In ihrem neuen Buch zeigt Debora Sommer Wege auf, wie Hochsensible ihre Veranlagung als Gabe erkennen und – mit Gottes Hilfe – zu einem erfüllteren, gelasseneren und glücklicheren Leben finden können.

Aufgrund ihres durchlässigeren Nervensystems nehmen Hochsensible äußere und innere Reize intensiver wahr als Nichthochsensible. Da sich diese intensive Wahrnehmung im Alltag oft in Form von Überreizung oder Überforderung äußert (im Sinne von: dies ist zu laut; das ist zu grell; jenes riecht zu intensiv; das geht mir zu nah; es ist mir zu viel etc.), empfinden viele Hochsensible ihre wundervolle Gabe als belastend. Wenn man sich Geschichten von Hochsensiblen anhört, könnte man manchmal fast zum irrigen Schluss kommen, dass Hochsensible per se unglücklichere Menschen wären. Doch dies wäre ein fataler Fehlschluss.

Die Wahrnehmungsfähigkeit, mit der Hochsensible ausgestattet sind, bringt nämlich nicht nur eine Empfänglichkeit für negative Einflüsse mit sich, sondern genauso (und im besten Fall ganz besonders) für positive Einflüsse. Aktuelle Forschungsergebnisse rund um Hochsensibilität (von Wissenschaftlern bevorzugt „Neurosensitivität“ genannt) liefern hierzu spannende Erkenntnisse. Dazu gehört die Einsicht, dass die Wirkung von Einflüssen relativ ist. Kein Reiz hat eine absolute, sondern immer nur eine relative Wirkung auf die jeweilige Person bzw. auf den Zustand ihres Nervensystems.

Hochsensibel – bzw. erhöht neurosensitiv – zu sein, ist keine Festlegung im negativen Sinn, sondern eine spannende Ausgangslage, die viel Raum zum Wachstum hin zur Sonnenseite bietet. Es gilt daran zu arbeiten, dass die Empfänglichkeit für negative Einflüsse schwächer wird und die Empfänglichkeit für positive Einflüsse zunimmt. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Vantage-Sensitivität“ (vantage leitet sich von englisch „advantage“ = Vorteil ab).

Letztere beschreibt eine Hochsensibilität, die sich auf ihre Stärken besinnt, ihren Fokus primär auf positive Einflüsse richtet und förderlich mit Herausforderungen und Rückschlägen umgeht. Eine solche Vantage-Sensitivität halte ich auch aus christlicher Sicht für sehr bedeutungsvoll und erstrebenswert, weil sie aufgreift, was mir im Neuen Testament im Blick auf ein Leben in göttlicher Fülle entgegenkommt.

Ein wichtiger Schritt hin zu einem glücklicheren Leben beginnt bei Hochsensiblen damit, dass sie sich von einem defizitären Verständnis ihrer Veranlagung verabschieden und erkennen, dass ihre Hochsensibilität ein kostbares Gottesgeschenk und eine wertvolle Ressource ist.

Hochsensible Personen sind nämlich keineswegs weniger, sondern anders belastbar – und auf ihre Weise sogar ausgesprochen leistungsfähig.

Aus christlicher Sicht führt der Weg zur Vantage-Sensitivität über das Allerheiligste. Weder ein Guru noch eine Selbsterlösungsreligion führen mich zu dauerhafter Liebe, Freude, dauerhaftem Frieden, Erleuchtung und Glück, sondern Gott allein.

Je mehr Zeit ich im Allerheiligsten und damit in Gottes Nähe verbringe, desto mehr kann seine göttliche Liebe, seine göttliche Freude und sein göttlicher Frieden auf mich abfärben.

Desto empfänglicher werden meine natürlichen und geistlichen Sinne für den Reichtum, der in der Beziehung mit dem Lebendigen verborgen liegt. In Gottes Nähe finden wir eine Dimension von Glück, die ihresgleichen sucht: „Ich sage zum HERRN: ,Du bist mein Herr. Nur bei dir finde ich mein ganzes Glück!‘“ (Psalm 16,2). Das Allerheiligste ist der bedeutendste Kraftort überhaupt – nicht nur für Hochsensible.
Dr. Debora Sommer (Jg. 1974) ist Dozentin am Theologischen Seminar St. Chrischona, freiberufliche Referentin und Autorin (www.deborasommer.com). Sie ist verheiratet mit Rolf, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und lebt in der Schweiz.