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C H R I S T I A N   S I E G L I N G

Monogamie – ein Geheimnis? 

Liegt sie uns in den Genen oder nicht?

Eine ziemlich provokante Frage – zugegebenermaßen. Auf die es im christlichen Umfeld wohl eine eindeutige Antwort gibt – oder?

Ich möchte Sie einladen, mal ein paar meiner Gedanken nachzuvollziehen: Menschen sind generell typbedingt sehr unterschiedlich – ich meine hier nicht primär „Mann“ und „Frau“, sondern vor allem verhaltensbedingte Unterschiede, wie wir sie z. B. im DISG-Persönlichkeitsprofil wiederfinden:

Da gibt es sicherheitsliebende, loyale und beständige Menschen, deren höchstes Gut es ist, wenn sie am Bestehenden festhalten können und wenn sich im Lebensumfeld möglichst wenig ändert. Manchmal wirkt sich das sogar bis in die Wochenplanung der Kochrezepte oder ähnliche Dinge aus.

Andererseits kennen wir Verhaltenstypen, die immer wieder Abwechslung suchen, das Risiko lieben und den Wunsch nach etwas Neuem haben. Beständigkeit und Sicherheit ist für sie eher eine Deckelung als eine Erleichterung.

So wird der altbekannte Spruch „Nun ist das Schiff in den Hafen der Ehe eingelaufen“ vielleicht von den sicherheitsbewussten, beständigen Menschen als Zusicherung und Versprechen empfunden, dass nun der Kampf mit den Naturgewalten, dem Umschauen und Flirten mit anderen Partnern, mit Wind und Wetter vorbei ist und von nun an das Ehe-Boot nur noch sanft in der Hafendünung vor sich hindümpelt.

Doch wissen Sie was? Für die abenteuerlustigen Typen unter uns kann es kaum eine ernüchterndere Aussicht geben als genau dieses Statement. Schwer vorstellbar, wenn ein Schiff, gemacht und konstruiert für die Befahrung der Weltmeere, von nun an nur noch „im Hafen der Ehe fest vertäut herumliegt“ und sanft von links nach rechts schwingt, während die Wellen kaum ein Geräusch des Plätscherns am Boot erzeugen.

Aus diesem unterschiedlichen Empfinden wird vielleicht klarer, dass es für die einen eine große Erleichterung im Leben darstellt, endlich diesen „EINEN“ Ehepartner oder die „EINE“ Ehepartnerin gefunden zu haben, was für die anderen eher wie Stillstand oder sogar Einengung anmuten mag.

Ganz besonders natürlich, wenn sich herausstellt, dass beide Partner vielleicht ein unterschiedliches Empfinden dazu haben. Auf unseren „Outdoortagen im Kanu“ für Paare stellen wir oft zu Beginn den teilnehmenden Ehepaaren diese Frage: „Stellt euch vor, eure Ehe ist ein Boot: Mit welchen Vorstellungen seid ihr in die Ehe gegangen? Welches Gewässer hattet ihr gedacht, in eurer Ehe zu befahren?“ Jeder Ehepartner darf natürlich selbst antworten und nicht selten gibt es dabei große Überraschungen – auch bei den anwesenden Paaren selbst. Aber möglicherweise stellt sich sogar Erleichterung ein, wenn man Verständnis für sich selbst gewinnt. Ich glaube allerdings: Aus dem jeweiligen Verhaltenstyp lässt sich zwar der Wunsch nach Monogamie einerseits bzw. andererseits der nach „Abwechslung“ nachvollziehen, und doch hat sich Gott etwas sehr Gutes dabei gedacht, als er dem Menschen in der Schöpfungsgeschichte den Ratschlag mitgegeben hat: „Also wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen und die beiden werden ein Fleisch werden!“ (1. Mose 2, 24)

Dieses „Anhangen“ wird als ein öffentliches, verbindliches Bekenntnis zum Ehepartner verstanden, vergleichbar mit der heute in unserer Gesellschaft üblichen staatlichen Eheschließung. – Hier wird für alle sichtbar ein Bündnis zwischen zwei Menschen geschlossen, das nicht jederzeit aus Lust und Laune wieder aufgehoben werden kann. Schließlich passiert es auch, dass ein im Verhalten eher beständiger Typ aus anderen Gründen einer Beziehung überdrüssig wird.
 
Untersucht man die Strukturen des Zusammenlebens von Männern und Frauen in verschiedenen Gesellschaften, Stämmen und Kulturen in unserem Erdkreis, darf man dankbar feststellen und erkennen: Überall wo monogame partnerschaftliche Strukturen gelebt werden, ist der Wohlstand höher, die Bildung besser, die Kriminalitätsrate geringer, die Familienstrukturen nachvollziehbarer, die Erziehung wertebasierter.1 Gott gibt allen Menschen, so verschieden sie ticken, also hier einen sehr weisen Rat!

Also von daher: Ja, für manche ist es ein ständiger Kampf und eine Herausforderung, mit dem einen Partner bzw. der einen Partnerin für das ganze Leben monogam unterwegs zu sein, auch ein Kampf mit sich selbst. Für den Partner stellt es sich anders, aber oft auch als Herausforderung dar, z. B. den Wünschen und Vorstellungen des spontanen und agilen Partners nicht zu genügen. Mag sein, dass wir beides in die Rubrik „Anfechtung“ fassen können, über welche die Apostel aus ihrem eigenen Leben (sicherlich in verschiedenster Ausprägung, z. B. Jakobus 1, 2 – 4) berichten. Für manchen bleibt es ein Lebensthema.
 

Ich finde es klasse, dass Gott um unsere Wünsche, Streben, Gedanken und Wesen Bescheid weiß und uns so liebt, dass er für uns das Beste möchte – und hier darf ich dankbar Gottes Ratschlag für mein Leben annehmen und konstatieren, dass ich gerne mit meiner Frau Heike seit über 29 Jahren verheiratet bin und auch bleiben möchte.

„Bis dass der Tod uns scheidet!“ – so wie wir uns das vor dem Traualtar versprochen haben.
 

Hilfreich ist dabei die Sicht, dass jeder dem anderen eine gute Ergänzung bietet, aber auch Schmerz verursacht.

Abwechslung und Abenteuer suche ich – soweit möglich – gerne mit ihr – wir bleiben beide gerne lernend und anpassungsfähig – und darüber hinaus in anderen (eheunschädlichen) Bereichen!

Herzliche Grüße
Ihr Christian Siegling
TEAM.F Leitung