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L E N A  K N A A C K

Unser Weg zur eigenen Familie 

„Wenn du ein Kind siehst, begegnest du Gott auf frischer Tat.“ – Martin Luther

Eigene Kinder zu haben ist eine große Freude. Der Weg dahin, die Herausforderungen, das damit verbundene Gefühlschaos – all das ist nach unserer Erfahrung manchmal auch wirklich hart.

Große Freude und harte Enttäuschungen
Unsere Kinderwunsch-Geschichte war nicht immer von Freude und Glück geprägt. Anfang 2018 hielt ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Die Freude war groß und wir waren total aufgeregt. Wenige Wochen später war die Schwangerschaft wieder vorbei. In der zehnten Woche wurde festgestellt, dass sich zwar eine Fruchthöhle gebildet, aber kein Embryo eingenistet hatte. Ein Jahr später machten wir wieder die Erfahrung, dass die Schwangerschaft frühzeitig endete: In der siebten Woche war kein Herzschlag mehr zu sehen. Diese Erfahrungen machten uns sehr traurig. Ich war verunsichert und ängstlich. Konnte ich etwas dazu? Warum musste uns das geschehen? Ich als sicherheitsliebender Mensch konnte es nur schwer aushalten, keinerlei Kontrolle darüber zu haben, ob ein Baby in meinem Bauch überlebte oder nicht. Der Verlust tat sehr weh!

Mir half es damals sehr, über meine Erfahrung zu reden. Ich habe das Gefühl, dass über das Thema Fehlgeburten immer noch nur sehr wenig geredet wird. Als ich über das Thema offen mit Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten und Familie sprach, erfuhr ich, dass viele Frauen Ähnliches erlebt haben. Es war so tröstend zu wissen, dass man nicht allein ist.

In dieser schweren Zeit hielten wir immer an der Einstellung fest, dass es absolut nicht selbstverständlich ist, ein Kind gesund zur Welt zu bringen und es umso mehr ein Geschenk ist.

Wir wollten uns freuen über jedes neue Baby – sei es unseres oder das von anderen. 

Vorsichtige Vorfreude
Der positive Test meiner dritten Schwangerschaft hat aufgrund unserer Vorgeschichte nur eine sehr vorsichtige Freude in mir ausgelöst. Mehr waren meine Tage von viel Angst und Sorge geprägt. Ich schützte mich selbst, indem ich die Freude nicht zu sehr zuließ. Nur langsam verlor ich meine Angst. Als ich unseren kleinen Mann täglich spüren konnte, wurde ich etwas entspannter.

Dennoch konnte ich selber meine Sorgen nicht komplett beiseitelegen. Die beste Strategie war, diese bei Gott abzulegen. 

Er hat schließlich die Kontrolle über alles. Immer wieder ging ich zu ihm, wenn mich meine Angst um unser Kind wieder zu erdrücken schien. Folgende Liedpassage wurde dabei zu meiner täglichen Ermutigung:

Will mich mein Herz erneut verdamm
Und Satan flößt mir Zweifel ein
Hör ich die Stimme meines Herrn
Die Furcht muss fliehen, denn ich bin sein
Oh preist den Herrn, der für mich kämpft
Und meine Seele ewig schützt

Lied: Mutig komm ich vor den Thron 

In diesen Zeilen steckt so viel Trost und Ermutigung. Bei Gott bin ich hundertprozentig sicher und er wird mir nichts zumuten, was meine Seele nicht aushalten kann. Diese Gewissheit tat mir so gut!

Freude nach dem Schock
Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtsdatum platze nachts meine Fruchtblase und 12 Stunden später war unser Sohn Levian auf der Welt. Sein Gewicht von über vier Kilo machten ihm jedoch die letzten Zentimeter leider etwas schwer. Plötzlich rannte meine Hebamme zur Tür und rief nach Hilfe. Innerhalb kürzester Zeit war ein Team aus Ärzten und Krankenschwestern da, die Levian sofort in ihre Obhut nahmen.

Wir bekamen ihn nur einige Sekunden zu Gesicht, bevor er auf die Intensivstation gebracht und weiter versorgt wurde. 

Plötzlich saßen wir da im Kreißsaal, es war komplett still, unser Baby war nicht bei uns. Ich war völlig erschöpft, überfordert und in Sorge um unser Baby. 

Durch die Corona-Pandemie durfte mein Mann weder mich aufs Zimmer begleiten, noch unseren Sohn auf der Kinderstation besuchen. Wir mussten uns daher für eine Woche voneinander verabschieden. Kurz darauf durfte ich dann endlich zu unserem Sohn und ihn das erste Mal im Arm halten. Was für ein besonderer Moment! So sehr hätte ich mir gewünscht, dass mein Mann hätte dabei sein können. Auf einmal war ich Mutter, hatte die volle Verantwortung, musste mit Ärzten sprechen, Entscheidungen treffen… Das war für mich sehr belastend, aber immerhin konnte ich bei Levian sein. So oft und lange es ging, hielt ich ihn einfach im Arm und war bei ihm. Der Papa wurde mit Fotos und Videos versorgt und konnte zumindest auf diesem Wege einen kurzen Blick auf unseren niedlichen Sohn werfen. 

Gedanken und Gefühle zulassen
So viele Eltern beschreiben den Tag der Geburt als den schönsten Tag, den sie je erlebt haben. Wenn ich ehrlich bin, kann ich das nicht so sagen. Öfter habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt laut aussprechen darf. Schließlich war ja nun unser Sohn auf der Welt, nicht schwer krank und gut versorgt. Trotzdem hatten wir so viele Emotionen wie Erschöpfung, Überforderung, Angst, Traurigkeit erlebt.

Dennoch traute ich mich, diese Gedanken mit Freunden und Familie zu teilen und stieß dabei auf viel Verständnis.

Dafür bin ich sehr dankbar. Ich hatte ein schlechtes Gewissen so zu denken, schließlich sollte ich doch am Tag der Geburt überglücklich und voller Freude sein. Besonders nach unserer Geschichte und mit dem Wissen, dass leider mehrere Paare in unserem Umfeld nach Jahren immer noch einen unerfüllten Kinderwunsch haben.

Diese Erfahrungen und die damit verbundenen Erinnerungen sind nun ein Teil von uns. Aber sie haben uns eng zusammen wachsen lassen und unsere Ehebeziehung tiefer und inniger werden lassen. Unsere Dankbarkeit ist groß und überwiegt gegenüber der Trauer. Auch wenn ich mir erlaube, ab und zu mal noch ein Tränchen zu vergießen und die Verarbeitung der Erfahrungen für mich weiterhin ein Prozess ist.

Pures Glück und ganz viel Zeit

Ich werde nie den Blick meines Mannes vergessen, als ich dann nach einer Woche mit unserem Sohn aus der Krankenhaustür trat. So viel Freude und Stolz konnte ich in seinem Gesicht sehen.

So holprig unser Start auch war, endlich konnten wir die Zeit mit Levian in vollen Zügen genießen, ihn halten und ihm Nähe geben.
Wir müssen schon sagen: Dank Corona hatten wir sehr viel Ruhe und Zeit für uns. Eineinhalb Monate lang hielt niemand Levian im Arm außer uns. Besucher kamen nur kurz. Für Levian war das mit Sicherheit am allerbesten, um sein Geburtstrauma zu verarbeiten. Schade war das natürlich vor allem für die Großeltern. Umso schöner und emotionaler war dann der Moment, unseren Sohn auf den Armen der Omas zu sehen. Zu beobachten wie er mittlerweile seine Großeltern mit seiner energievollen Art, seinen großen staunenden Augen und seinem strahlenden Lächeln um den Finger wickelt, ist eine wahre Freude!

Andere Freude durch neue Prioritäten
An unserem fünften Hochzeitstag – dem ersten mit Kind – nahmen wir uns vor, gemütlich zu Hause zu essen. Daher holte mein Mann Essen für uns, was wir uns auf unserem neuen Balkon bei bestem Wetter schmecken lassen wollten. Unser Sohn überlegte sich aber, nicht weiter schlafen zu wollen und lag brüllend auf meinem Arm, während ich versuchte, ihn zu stillen und gleichzeitig mein Schnitzel zu essen. Man kann sich vorstellen, dass das nicht besonders romantisch war. Unseren Nachtisch genossen wir dann auf der Couch, nachdem Levian satt und zufrieden war. 

In dem Moment erinnerte ich mich an unseren letzten Hochzeitstag. Dort hatte ich eine leise Vorahnung, schwanger zu sein und zeigte nun Levian mit zusammen gedrückten Fingern, wie groß er damals war.

Als ich aufsah, sah ich Tränen in den Augen meines Mannes. Wir waren so dankbar und glücklich über das kleine Wunder, das wir in unseren Händen hielten. Der kleine Mann mit seinen großen blauen Augen hat unsere Prioritäten von jetzt auf gleich völlig neu sortiert. Und das ist völlig in Ordnung!

Freude in so vielen kleinen Dingen
Sicherlich kennen viele Eltern das Phänomen, dass man mit Baby plötzlich auf der Straße von wildfremden Menschen angesprochen wird. Ich finde es einfach schön, wie man so einfach anderen eine Freude machen kann. Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass man mit einem brüllenden Baby bei dm an der Kasse sofort vorgelassen wird und man ein liebes Lächeln von erfahrenen Müttern bekommt. Nachts wacht Levian auf und quietscht vergnügt und quasselt vor sich hin. Nicht immer freue ich mich, aus dem Schlaf gerissen zu werden, aber das ist dann wohl doch die schönste Art, geweckt zu werden.
Levian drehte sich das erste Mal alleine um oder isst ganz zufrieden seinen ersten Brei und wir stehen daneben und klatschen und jubeln. Die Vielfalt an Freude mit einem Kind ist riesig. Ich könnte noch ewig so weiter schreiben.

Und manchmal sitze ich dann mit Levian im Arm im Bett bei unserem Abendritual, befehle ihn Gott an, segne ihn mit allem was er braucht und staune einfach über unseren kleinen Sohn.

Ihre
Lena Knaack


27 Jahre
5 Jahre verheiratet
seit März 2020 Mama von einem kleinen Jungen
in Elternzeit und sonst tätig im Team.F-Hauptbüro


PS: Sicherlich hat jeder ganz verschiedene Wege, mit so einer Situation, wie wir sie erlebt haben, umzugehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich daran teilhaben lassen würden! Bitte an Heidi Goseberg. Gerne leiten wir Ihre Nachricht an Frau Knaack weiter.