6846565423.jpg

L A U R A   H A A R   U N D   S I M O N   K N A A C K

Unsere Beziehung im Aufbau 

Liebe auf den ersten Blick im 21. Jahrhundert

Eine Lovestory wie im christlichen Bilderbuch: Befreundet seit Kindertagen, zusammen Jungschar und Jugendkreis durchlebt, die gleichen Werte und Überzeugungen entwickelt, festgestellt wie aus Freundschaft mehr wurde ... so war es bei uns nicht.

Simon: Wie alles begann
Samstagmorgens am Hauptbahnhof in Frankfurt. Nervös suchte ich die Gleise nach dem passenden Zug ab. Die Anzeigetafel überflog ich blind und entschied mich über das große Portal auf den Vorplatz zu gehen. Just in diesem Moment sah ich sie.

Seit vier Monaten haben wir geschrieben, Sprachmemos zugesendet, telefoniert und geskypt. Lange habe ich auf diesen Moment hin gefiebert und mir immer wieder Szenarien ausgemalt wie dieser Tag wohl verlaufen würde. Über ein christliches Partnersuche Portal entstand der erste lose Kontakt mit Laura. Daraus wurden schnell viele Nachrichten bei WhatsApp. Dieser Austausch intensivierte sich über die Monate immer mehr.
 

Obwohl wir uns noch nie im realen Leben gesehen hatten, bestand bereits nach kurzer Zeit ein tiefes Vertrauensverhältnis.

Aufgrund der Corona-Lage und der Entfernung (250 km) konnte unser erstes Treffen erst eine gefühlte Ewigkeit nach der ersten Chatnachricht stattfinden.

Schnell merkten wir an diesem Tag in Frankfurt, dass wir uns in unseren Eindrücken der vergangenen Monate nicht getäuscht hatten. Wir konnten schnell Vertrauen zueinander aufbauen und fühlten uns sehr wohl in der Gegenwart des anderen. So entschlossen wir uns nach ein paar Stunden zu einer bis heute weitreichenden Entscheidung.

Laura: Als ich am Morgen des 25. April 2020 um 06:15 Uhr aufwachte, dachte ich nicht, dass ich am Ende des Tages in einer Beziehung wäre. Als ich Simon am Frankfurter Bahnhof das erste Mal gegenüber stand, musste ich ihn gleich zweimal umarmen, weil die ganze Situation komplett surreal war. Wir liefen durch Frankfurt und unterhielten uns. Die ersten paar Minuten fühlten sich noch komisch an.
 

Wie begegnet man jemandem, den man noch nie zuvor gesehen hat und über den man doch schon so viel weiß?

Eigentlich waren wir Fremde. Doch es fühlte sich so an, als ob wir uns schon ewig kennen würden. In keinem einzigen Moment entstand eine peinliche Schweigepause und es war so leicht, sich miteinander zu unterhalten. Dennoch war ich weiterhin sehr aufgeregt. Nie hatten wir wirklich darüber gesprochen, mit welcher Absicht wir uns treffen und ob wir etwas für die andere Person empfinden würden. Irgendwann fragte ich ihn, mit welcher Intention er an diesem Tag los gefahren war und sagte gerade heraus, was ich empfand. Ich hatte mich in den letzten Monaten in jemanden verliebt, den ich noch nie zuvor persönlich gesehen hatte. Meine Vorstellungen von Simon als Person bestätigten sich in diesem Moment. Bei ihm war es genauso und er empfand dasselbe wie ich.

Irgendwann saßen wir auf einer Bank am Main. Wir waren beide einfach nur überwältigt von unseren Gefühlen. So kamen wir noch an diesem Tag zusammen – auch wenn ich nie damit gerechnet hatte, dass dies passieren würde. Ein paar Tage davor sagte ich noch zu meiner Mutter, dass ich jemanden erst richtig lange kennenlernen möchte, bevor ich eine Beziehung eingehen würde. Und dann kam alles ganz anders. Vor ein paar Tagen hatten wir unseren achten Monatstag. Die Entscheidung hat keiner von uns nur eine Sekunde bereut.
 
Simon: Neue Perspektiven
Durch unseren Entschluss haben sich unsere beiden Lebensperspektiven mit einem Schlag verändert. Statt wie bisher nur für mich selbst zu planen und Verantwortung zu tragen, trat mit einem Moment eine weitere Person in mein Leben. Pläne für die nächsten Jahre wurden überdacht und im Hinblick auf meine Freundin neu eingeordnet. Aufgrund der Fernbeziehung wurden die nächsten Wochenenden, Urlaubs- und Feiertage neu verplant. Es tauchten Fragen nach einer möglichen Zusammenkunft auf. Laura studiert in Würzburg und ich arbeite im Sauerland – wie soll man das übereinbringen? Wir versuchten, unsere Pläne abzustimmen und im selben Zug sagten wir uns, dass wir uns nicht gegenseitig drängen oder zu vorschnellen Entscheidungen überreden möchten. Bis heute halte ich dies für den richtigen Weg, auch wenn dies vielleicht bedeutet eine längere Zeit in der Fernbeziehung zu verbringen. Ich denke, um Laura Vertrauen zu schenken, muss ich ihr im selben Zug die Freiheit gewähren, die sie benötigt.

Neben den Lebensplanungen gibt es hunderte Themen über die wir uns austauschen oder auch diskutieren. Das Erkennen der Werte des anderen ist ein wichtiges Thema, über das wir uns viel ausgetauscht haben. Wir verstanden durch viele Gespräche, dass wir unterschiedlich geprägt sind, dies aber auch in Ordnung ist. Wir haben erkannt, dass wir nicht in jedem Punkt einer Meinung sein müssen und wir auch mal etwas ausdiskutieren müssen.

Einmal habe ich in Lauras WG-Zimmer etwas gegessen, sie mochte das überhaupt nicht und ich bekam das dementsprechend deutlich gespiegelt. Auch meinen „übertriebenen Süßigkeitenkonsum“ findet sie nicht gut. Ich ärgere mich im Gegenzug darüber, wenn Laura Müll in meinem Auto hinterlässt. Augenscheinliche Kleinigkeiten, die aber genauso wie tiefergehende Themen schnell zu Missverständnissen und Streit führen können.

Für uns war es ebenfalls von Bedeutung, die Biografie und die damit verbundenen positiven und negativen Erfahrungen des anderen zu kennen und damit umgehen zu können. Für mich halb so wild, aber Laura hat eine extreme Abneigung gegen Insekten in der Wohnung – nur aufgrund einer vergangenen negativen Erfahrung. Was ich zunächst nicht ganz nachvollziehen konnte, konnten wir aber schnell klären. Unterschiedliche Erziehung, Gewohnheiten, Verletzungen ... all das spielt in unsere Beziehung mit ein und uns ist es wichtig darüber immer wieder im Gespräch zu sein.

Laura: Auch wenn wir in manchen Themen unterschiedlich ticken und auch häufiger aneinander geraten, finden wir dennoch immer eine Lösung, mit der jeder seinen Frieden findet. Die Fernbeziehung macht das natürlich nicht einfach und ich habe mir so häufig gewünscht, dass Simon und ich in derselben Stadt leben, was einiges leichter machen würde. Doch im Moment ist dies nicht der Fall und mit der Situation müssen wir uns arrangieren.

Wir sind beide sehr offen und sprechen Probleme direkt an. Das erleichtert uns sehr viel.
 

Von Anfang an haben wir immer gesagt, dass Kommunikation das A und O ist, damit nichts zwischen uns steht.

Auch wenn uns 250 km Distanz trennen, verbringen wir trotzdem viel Zeit miteinander, auch länger am Stück, was durch Corona derzeit möglich ist. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir die Anwesenheit des anderen nicht satt werden und auch nach mehreren Wochen sagen können, dass wir am liebsten mehr Zeit miteinander verbringen würden.

Ich schätze aber auch die Zeit, in der wir uns nicht sehen. Dann haben wir die Möglichkeit, noch mal zu reflektieren, über unser eigenes Verhalten nachzudenken oder mit Freunden über bestimmte Situationen zu reden. Meiner Meinung nach geht das mit gewissem Abstand besser, als wenn wir ununterbrochen Zeit miteinander verbringen.

Simon: Der Mittelpunkt
In unserer Beziehung kommen wir nicht um Differenzen herum, denen wir uns stellen müssen. Jedoch können wir sagen, dass es in unserer Beziehung einen zentralen Punkt gibt. Noch am 25. April haben wir uns beide gesagt, dass Gott für uns den Mittelpunkt dieser Beziehung bilden soll. Wir möchten diesen Weg zusammen mit Gott gehen, weil wir glauben, dass nur dadurch unsere Beziehung die richtige Perspektive und das passende Grundgerüst erhält, welches wir benötigen. Trotz unserer verschiedenen Wege und Herkunft gibt es einen gemeinsamen Gott, der uns zeigt wie wir eine gesunde und wertvolle Partnerschaft entwickeln können.
 

Gott in den Mittelpunkt der Beziehung zu stellen, war das Beste was wir machen konnten. Er ist unser Orientierungspunkt und Anker.

Laura: Das gemeinsame Beten verbindet uns und stärkt unsere Beziehung. Trotz Unterschieden und Diskrepanzen haben wir eine gemeinsame Basis, zu der wir immer wieder zurückkommen können. Gott macht diese Beziehung komplett und nach ihm möchten wir uns ausstrecken. Dabei muss ich auch immer wieder aufpassen, dass Simon für mich nicht zu einem Götzen wird und Gott an erster Stelle steht. Jedoch wachse ich durch den Austausch mit Simon auch in meinem eigenen Glauben. Gott in den Mittelpunkt zu stellen, bringt uns beide auch näher zueinander.

Laura und Simon: Unser Ziel ist auf jeden Fall, in den nächsten Jahren in eine Stadt zu ziehen und wir versuchen jetzt schon daran zu bauen. Wir sind uns sicher, dass Gott uns den bestmöglichen Plan offenbaren wird. Es ist nicht immer einfach, unsere unterschiedlichen Verpflichtungen im Alltag unter einen Hut zu bringen, aber dennoch streben wir an, so viel Zeit wie möglich bis dahin miteinander zu verbringen. Unser gemeinsames Ziel schweißt uns sehr zusammen und lässt uns die Zeit der Fernbeziehung besser überstehen.

Laura Haar, Jura-Studentin , 24
Simon Knaack, Supply Chain Manager, 23